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Auditive Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörungen

Auditive Wahrnehmung beschreibt das akustische Wahrnehmen, also das Hören. Wobei hier eine starke Abgrenzung gezogen wird zwischen dem schlechteren Hören wegen einem Hörverlusst und dem schlechten Hören wegen unzureichender „Verdrahtung im Gehirn“.

Bitte verstehen Sie die Verdrahtung im Gehirn nicht falsch, es geht hier nicht um schlau oder dumm, sondern um eine Vernetzung im Gehirn die durch training aufgebaute wird, oder durch zu wenig Reize eher schlecht aufgebaut wurde.

Das schöne ersteinmal vorab: Auditivewahrnehmungs- und verarbeitungsstörungen sind keine Krankheit, sondern stellen Sie es sich lieber wie ein Muskel vor der wenig genutzt wurde und nun plötzlich viel verrichten soll. Wie der Muskel, der die schweren Dinge nicht bewegen kann weil er noch zu schwach ist und nun erst langsam gestärkt werden muss so ist es auch mit der autitiven Wahrnehmungund Verarbeitung (aWV).

Aber was ist das überhaupt und woran merkt man es wenn die aWV nicht so funktioniert wie sie sollte?

Stellen Sie sich vor es kommt ein kurzes Geräusch von Links.
– Das Geräusch wird zuerst von Ihrem linken Ohr und sehr kurze Zeit später von Ihrem rechten Ohr Wahrgenommen. Da der Schall bis zu Ihrem rechten Ohr eine längere Strecke zurücklegen musste kommt es aber nicht nur später dort an, sondern auch etwas leiser.
– Dieser Lautstärken und Zeitunterschied reicht im normalen Fall aus um die Richtung des Geräusches orten zu können und man kann die Konzentration in diese Richtung lenken.
– Dies ist besonders wichtig, wenn viele Geräusche aus vielen verschiedenen Richtungen zeitgleich kommen, wie z.B. in einem Klassenraum, in der Sporthalle, auf Feiern ….

Wenn nun jedoch die Vernetzung im Gehirn nicht ausreichend aufgebaut ist, kann der Unterschied nicht so genau wahrgenommen werden, denn es geht hier um sehr kurze Zeitunterschiede und geringste Lautstärkenunterschiede.
Der Effekt daraus ist: Geräusche können Räumlich nicht getrennt wahrgenommen werden. Wenn das bei Sprache passiert sinkt das Sprachverstehen stark ab obwohl das Hören an sich uneingeschränkt funktioniert. In Umgebungen mit Störgeräuschen und Sprache wie z.B. im Klassenzimmer wird also eine Menge Konzentration benötigt um dem Lehrer folgen zu können, sobald diese Konzentrationsfähigkeit erschöpft ist rauscht der Unterrichtsstoff einfach an einem vorbei.

Auswirkungen durch solch eine schlechte Vernetzung sind oft

  • Aufmerksamkeitsdefizite
  • Ablenkungen
  • Leseschwäche
  • Rechtschreibschwäche
  • Konzentrationsschwäche
  • und dadurch auch Schwierigkeiten beim Rechnen

Oft werden diese Defizite an mangelnder Intelligenz festgemacht, doch das ist falsch. Viele Kinder mit diesen Symptomen zeigen eine überdurchschnittliche Intelligenz. Was hier fehlt ist die richtige Unterstützung.

Es gibt aber nun verschiedene Möglichkeiten hier zu helfen.

Zum einen das Training der Sogenannten Low-Level-Funktionen.
Low-Level- Funktionen sind die Grundfunktionen der akustischen Wahrnehmung und Verarbeitung. Hier werden verschiedene Funktionen getestet und trainiert.

  • Es kommt auf jedem Ohr ein Geräusch, nacheinander. Die Frage ist: auf welchem Ohr war das Geräusch zuerst?
    – Der Abstand zwischen diesen Geräuschen wird zeitlich immer weiter verringert und mit jedem Training reduziert sich der nötige Zeitabstand.
  • Es kommt nur ein Geräusch. Auf welchem Ohr war es zu hören?
    – Die Dauer des Geräusches wird immer weiter verringert. Hier geht es um Milliardstel Sekunden.
  • Tonhöhenunterschiede sollen herausgehört werden.
  • …..

Sie merken schon, hier geht es um Grundfunktionen und wenn diese verbessert sind wird oft der Rest von selbst wieder gelernt. Wie bei dem Beispiel mit dem Muskel. Gerade wenn er viel zu schwach ist, muss er gezielt aufgebaut werden und darf nicht zu stark belastet werden, erst wenn die Grundfunktion hergestellt ist wird sich der Muskel nach und nach den geforderten Einsatzzwecken anpassen.

Eine Andere Möglichkeit ist die Versorgung mit Hörgeräten die einen Funkempfänger beinhalten. Der Lehrer trägt ein Ansteckmikrofon und das Tonsignal wird direkt in die Hörgeräte gespielt. Es muss nun keine erhöhte Konzentration für das Verstehen aufgewendet werden, sondern die Konzentration kann in das Lernen investiert werden.

Weitere Informationen zu den Low-Level-Funktionen und deren Training finden Sie unter: MediTech

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